Knut (Eisbär)

Eisbär Knut im Zoologischen Garten Berlin

Knut war ein männlicher Eisbär (Ursus maritimus), der im Zoologischen Garten Berlin lebte. Er wurde dort am 5. Dezember 2006 geboren und starb ebenda am 19. März 2011.[1]

Die erste Eisbärengeburt im Zoologischen Garten Berlin seit mehr als 30 Jahren fand zunächst ein großes regionales und sehr schnell auch internationales Medienecho. Das Tier wurde eine der größten Attraktionen des Berliner Zoos. Während allein in Deutschland seit 1980 bereits rund 70 Eisbären weitgehend unbeachtet von der Presse geboren und aufgezogen wurden,[2] wurde der von Hand aufgezogene Knut zu einem internationalen Medienphänomen.

Leben im Zoo

Knut im Alter von drei Monaten

Knuts Eltern sind die ebenfalls im Zoologischen Garten Berlin lebende Bärin Tosca und der Bär Lars. Der am 12. Dezember 1993 geborene Vater stammt aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn und wurde dem Tierpark Neumünster übergeben, als ihm mit Erreichen der Geschlechtsreife sein Vater Michi in München hätte gefährlich werden können. Von dort aus kam er nach Berlin, wo er Knut zeugte, und wechselte im Oktober 2009 zum Zoo Wuppertal. Tosca wurde 1986 in Kanada geboren, früher im Staatszirkus der DDR gehalten und gehörte dort zur Eisbärengruppe von Ursula Böttcher.

Knut mit Tierpfleger Thomas Dörflein

Die 20-jährige Eisbärin brachte nach einer problemlosen Tragezeit am 5. Dezember 2006 zwei männliche Jungtiere zur Welt. Es handelte sich dabei um die erste Eisbärengeburt in Berlin nach 20 Jahren. Die Mutter nahm ihren Nachwuchs nicht an, und eines der Jungtiere verendete nach vier Tagen. Das verbliebene Jungtier Knut, das bei der Geburt 810 Gramm wog, wurde von Tosca getrennt und durch ein Team des Berliner Zoos versorgt. Die ersten 44 Lebenstage verbrachte es in einem Brutkasten. Das Jungtier wurde rund um die Uhr von Tierpfleger Thomas Dörflein umsorgt, der eigens ein Zimmer im Zoologischen Garten Berlin bezog, um Knut alle vier bis sechs Stunden mit Futter versorgen zu können.

Knut erreichte bei einer Untersuchung am 15. März 2007 ein Gewicht von 8,2 Kilogramm. Um das Tier in den ersten Tagen seines Lebens zu schonen, hatte die Zooverwaltung eine Grenze von acht Kilogramm für die öffentliche Präsentation festgelegt. Deshalb wurde Knut erst am 23. März im Alter von 15 Wochen und mit einem Gewicht von neun Kilogramm offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt. Schon am folgenden Tag zog er Tausende von Besuchern an.

Knut im Alter von vier Jahren

Am 28. November 2007 berichtete das Flensburger Tageblatt, dass Knut dem Tierpark Neumünster gehöre. Knuts Vater Lars wurde seit 1999 vom Neumünsteraner Zoo an Berlin ausgeliehen, und es sei vertraglich vereinbart worden, dass das erste geborene Jungtier – in diesem Falle Knut – dem Zoo von Neumünster gehöre. Der Direktor des Berliner Zoos, Bernhard Blaszkiewitz, bestätigte den Vertrag. Am 7. Juli 2009 wurde eine Übereinkunft zwischen dem Berliner Zoo und dem Tierpark Neumünster bekannt gegeben. Knut blieb im Berliner Zoo, während der Tierpark Neumünster eine Ausgleichszahlung in Höhe von 430.000 Euro erhielt.[3]

Von September 2009 bis Juli 2010 teilte Knut sein Gehege mit der gleichaltrigen Eisbärin Giovanna während der Zeit des Umbaus der Eisbärenanlage im Tierpark Hellabrunn. Anschließend wurde er gemeinsam mit drei älteren weiblichen Eisbären in einem Gehege untergebracht. Die drei Weibchen grenzten ihn jedoch aus; besonders seine Mutter Tosca brüllte ihn wiederholt an und biss ihn.

Am 19. März 2011 starb Knut, der sich zu diesem Zeitpunkt allein in der Außenanlage des Eisbärgeheges des Berliner Zoos befand, vor den Augen hunderter Zuschauer. Zuvor hatte er sich mehrfach im Kreis gedreht und taumelte in das Wasserbecken, in dem er dann leblos trieb.[4][1] Das Tier wurde vier Jahre alt. In freier Wildbahn werden Eisbären selten älter als 25 Jahre, in Gefangenschaft können sie hingegen weit über 30 Jahre alt werden.

Am 22. März wurde als erstes Resultat der Sektion bekannt, dass Knut an einer Hirnerkrankung gelitten habe. Man habe deutliche Veränderungen am Gehirn festgestellt. Diese könnten als Grund für den plötzlichen Tod von Knut angesehen werden, so eine Sprecherin des Berliner Zoos.[5]

Das Phänomen Knut

Berichterstattung

Bereits seit dem 30. Januar 2007, rund zwei Monate vor dem offiziellen Vorstellungstermin, berichtete die regionale Fernseh- und Rundfunkanstalt rbb mindestens wöchentlich vom Zooleben des jungen Eisbären. Ein Weblog und Online-Archive mit Fotos und Filmen über Knut ergänzten diese regionale Berichterstattung.

Am 23. März wurde Knut im Zoologischen Garten Berlin von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zusammen mit dem Zoodirektor Blaszkiewitz offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt. Hierzu waren rund 500 Journalisten aus dem In- und Ausland angereist. Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender rbb und die privaten Nachrichtensender N24 und n-tv berichteten live. Das Bundesumweltministerium übernahm eine Patenschaft und schlug Knut als Symbolfigur für die 9. UN-Naturschutzkonferenz im Mai 2008 in Bonn vor. Am 10. April 2008 gab die Deutsche Post AG unter dem Titel Natur weltweit bewahren – Eisbär Knut eine Briefmarke heraus. Die Zuschlagmarke (55 + 25 Cent) erschien in der Serie „Für den Umweltschutz“; mit den Zuschlagerlösen aus der Knut-Briefmarke fördert das Bundesumweltministerium Umwelt- und Naturschutzprojekte zum Thema Biodiversität.[6]

Knut im Herbst 2007 auf der kleinen Freianlage

Zwar ist Knut das erste Eisbärenjunge im Zoologischen Garten Berlin seit 30 Jahren, jedoch sind allein in Deutschland seit 1980 (dem Beginn der Aufzeichnungen im Zuchtbuch Eisbären) mehr als 70 Eisbären – weitgehend unbeachtet von der Presse – geboren und rund 69 Tiere aufgezogen worden.[2] Vor diesem Hintergrund war das überregionale bis internationale Medieninteresse an dem Schicksal des von seiner Mutter verstoßenen Jungbären überraschend groß. Insbesondere Infotainment-Anbieter und Boulevardmagazine nutzten die Popularität Knuts.

Zuerst berichtete der rbb regelmäßig unter Verwendung von Filmmaterial, das von Tierpflegern exklusiv für die Berliner Abendschau gedreht wurde. Printmedien nutzten sodann diese Berichte für ihre lokalen und regionalen Ausgaben. So berichteten Boulevardzeitungen, unter anderem die Bild, die B.Z. und der Berliner Kurier, aber auch Tageszeitungen wie der Berliner Tagesspiegel fast täglich über die Entwicklung des Eisbären und die Beziehung zu seinem Pfleger. Seit Mitte März berichteten auch Zeitungen und Fernsehsender weltweit über den jungen Eisbären, so z. B. in Frankreich, China,[7] den USA, Japan, Usbekistan,[8] Irland,[9] Südafrika und Indien.[10] Die einzelnen Folgen einer vom rbb produzierten Dokumentation über den kleinen Eisbären wurden seit dem 24. März 2007 wöchentlich am Samstagmorgen von der ARD deutschlandweit ausgestrahlt. Allein die erste Folge wurde von fast einer Million Zuschauer gesehen, was einem Marktanteil von fast 15 Prozent entspricht.[11] Im englischsprachigen Raum wurde Knut von Presse und Fans oft Cute Knut („Niedlicher Knut“ oder „Süßer Knut“) genannt, einige deutsche Sender gaben ihm den Spitznamen „Knuddel-Knut“. Als Titelcover der internationalen Ausgabe der Vanity Fair vom Mai 2007 erschien ein Bild von Knut in einer Fotomontage zusammen mit einem Bild von Leonardo di Caprio. In der deutschen Ausgabe vom April 2007 war Knut eine eigene Titelstory gewidmet.

Im April 2008 zeichneten die Medien ein anderes Bild, als Knut die Karpfen tötete, die seinen Wassergraben von Algen säuberten.[12] Im Zentrum des Interesses der Öffentlichkeit stand der Eisbär, mittlerweile dem Kindchenschema entwachsen, dann noch einmal durch den plötzlichen Tod seines Pflegers Thomas Dörflein am 22. September 2008.

Die Beliebtheit von Knut wurde von Beginn an auch bei verschiedenen Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen zum Anlass genommen, an seinem Beispiel Kritik an der Haltung von Tieren in Zoos allgemein und bei einzelgängerischen wilden Tieren wie Eisbären im Besonderen zu äußern. Dies setzte sich nach dem plötzlichen Tod des Publikumslieblings im März 2011 fort.

Der wissenschaftliche Direktor des Zoologischen Gartens Bernhard Blaszkiewitz verteidigte die Handaufzucht und die Haltungsbedingungen Knuts und wies Vorwürfe zurück, das Tier sei aufgrund einer haltungsbedingten Stresssituation gestorben.[13]

Der Markenartikel „Knut“

Um Exklusivrechte für das Merchandising zu sichern, ließ die Berliner Zooverwaltung Knut, den Eisbären sowie das Eisbären-Logo für die Klimaschutz-Initiative Respect Habitats. Knut (Respektiere Lebensräume. Knut) als Marken eintragen. Seitdem machen Merchandising-Produkte mit „Knut“-Motiven, z. B. auf T-Shirts, Tassen und Blechpostkarten einen nicht unerheblichen Anteil am Zoo-Umsatz aus (vgl. die Vermarktung der ein Jahr jüngeren, ebenfalls von Hand aufgezogenen Eisbärin Flocke in Nürnberg und des Kinderbucherfolgs „Der kleine Eisbär“ aus den 1980er-Jahren). Der Aktienkurs des seit 1841 börsennotierten Zoos stieg in Folge der Popularität Knuts von Mitte März bis Anfang April 2007 kurzfristig auf nahezu das Doppelte. Ursprünglich rechnete die Berliner Zooverwaltung für das Jahr 2007 mit Mehreinnahmen von 5 Mio. Euro, etwa die Hälfte davon durch die zusätzlich erwarteten 500.000 Besucher.[14] Am 5. Juli 2007 konnte dann jedoch schon der millionste Besucher seit der ersten Knut-Präsentation begrüßt werden.[15]

Am 9. Juli 2007 sah sich die Zooverwaltung gezwungen, das Ende der Live-Shows mit dem Jung-Eisbären zu verkünden, da dieser mit fast 50 kg Körpergewicht inzwischen zu schwer und zu gefährlich für den als „Co-Entertainer“ agierenden Tierpfleger sei.[16][17]

Musik über Knut

Musiker komponieren und publizieren Lieder zum Thema Knut. Einerseits handelt es sich um Kinderlieder, in denen das Klischee des „Kuschelbären“ besungen wird, dem Knut in seinen ersten Lebenswochen nahezu perfekt entsprach. Das provoziert wiederum Karikaturen dieser Lieder. Überdies werden in manchen Liedern auch kritische Stimmen laut, die das Thema in andere Zusammenhänge übertragen. In den Internetportalen YouTube oder MyVideo sind zahlreiche Musikvideos mit Knut-Liedern verfügbar.

Kommerzielle Musikprojekte, die sich des Themas Knut angenommen haben, sind unter anderen

Thomas Dörflein

Thomas Dörflein (2007)

Thomas Dörflein (* 13. Oktober 1963 in Berlin-Wedding; † 22. September 2008 in Berlin-Wilmersdorf) war ein deutscher Tierpfleger im Zoologischen Garten Berlin, der im Jahr 2007 durch die Aufzucht des Eisbären Knut international große Aufmerksamkeit erhielt.

Leben und Wirken

Dörflein wuchs in Berlin-Spandau auf. Seit 1982 arbeitete er als Pfleger im Zoologischen Garten Berlin. Nach einer dreijährigen Berufsausbildung erhielt er zunächst einen Zeitvertrag, der später in eine Festanstellung umgewandelt wurde. Anfänglich war er für Menschenaffen und Raubtiere zuständig. Seit 1987 hatte er die Aufsicht über die Bären- und Wolfsgehege.[1]

Dörflein mit Knut im Mai 2007

Am 5. Dezember 2006 wurden im Zoo zum ersten Mal seit über 30 Jahren zwei Eisbären geboren. Das Muttertier verstieß jedoch den Nachwuchs, wodurch eines der Jungen nach vier Tagen starb. Die Zoodirektion entschied, das überlebende Junge per Handaufzucht durch Dörflein großziehen zu lassen. Dörflein wurde in den ersten Monaten die wichtigste Bezugsperson des Eisbären und gab ihm den Namen „Knut“. Die Aufzucht des Eisbären erfolgte unter großem medialen Interesse, in dessen Folge verstärkt auch Dörflein ins Blickfeld der Öffentlichkeit gelangte.

Für seinen Einsatz bei der Aufzucht des Eisbären wurde Dörflein am 1. Oktober 2007 mit dem Berliner Verdienstorden ausgezeichnet.[2] Zudem wurde er zusammen mit Knut auf einer Silberprägung der Münze Berlin verewigt.[3] Im Dezember 2007 wählten ihn die Leser der Berliner Morgenpost und die Hörer des Radiosenders 94,3 rs2 zum beliebtesten Berliner.[4] Die publikumswirksame Verleihung zweier Fernsehpreise (Goldene Henne und Bambi) lehnte der Tierpfleger ab.

Tod

Kondolenzbekundungen am Zoo-Eingangstor anlässlich seines Todes

Im April 2008 diagnostizierten Ärzte bei Dörflein zunächst Blasenkrebs.[5] Jedoch starb er am 22. September 2008 überraschend an einem Herzinfarkt, verursacht durch eine Thrombose.[6][7] Am 10. Oktober 2008 wurde Dörflein im engsten Familienkreis auf dem Friedhof In den Kisseln in Berlin-Spandau beigesetzt.[8]

Zu Ehren des Verstorbenen wurde von der Fördergemeinschaft von Tierpark und Zoo Berlin e. V. der „Thomas-Dörflein-Preis“ gestiftet, mit dem jährlich verdiente Tierpfleger ausgezeichnet werden sollen.[9] Postum wurde ihm der „Berliner Bär“ der B.Z. als Ehrenpreis für die Aufzucht des Eisbären Knut verliehen.[10]

Filmografie

  • 1994: Berliner Zoogeschichten (SFB Video)
  • 2006: Berliner Schnauzen (Fernsehserie)
  • 2007: Knut! – Aus der Kinderstube eines Eisbären
  • 2007: Hallo Knut! (7 Folgen)
  • 2007: Frohe Pfingsten, Knut!
  • 2007: Knut, das Eisbärbaby (11 Folgen)
  • 2007: Knut, der Eisbärjunge (10 Folgen)
  • 2007: Panda, Gorilla & Co. (2 Folgen)
  • 2007: Happy Birthday, Knut!
  • 2007: Verrückt nach Knut – Ein Eisbär erobert die Welt
  • 2008: Roter Teppich für Knut
  • 2008: Knut und seine Freunde
  • 2010: Knut - Ein Eisbär wird halbstark

 

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